Asylnetz Sigmaringen

„We have different coloured skin, but our hearts are all green.“

26. Oktober 2015

FC Laiz Mannschaftsfoto II

Der FC Laiz nimmt auch in dieser Saison junge Männer bei sich im Verein auf, die nach Sigmaringen kamen, um Asyl zu beantragen.

Schon seit letzter Saison laufen beim FC Laiz Spieler auf, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind… ohne irgendwelche Probleme, wie Trainer Manuel Kovacic betont: „Die Jungs kommen immer regelmäßg zum Training, haben Spaß, sind fit und vor allem hoch motiviert dabei!“. 9 Spielerpässe hat der Verein diese Saison für Flüchtlinge beantragt. Es sind aber fast 15, die jede Woche beim Training auf dem Platz stehen. Sprachliche Barrieren machen eher selten zu schaffen. Die meisten Jungs sprechen schon ein wenig Deutsch und das Fußballvokabular sitzt schnell: „Nach dem dritten verlorenen Ball versteht man dann >lass klatschen< oder >dreh dich!<.  – Garantiert!“, so der Trainer zum Sprachfortschritt seiner Spieler. Organisationskunst war teilweise gefragt, als es darum ging, alle neuen Spieler mit Stollenschuhe auszustatten. Aber auch das gelang dem FC Laiz schnell. Mittlerweile besitzt jeder Spieler ein eigenes Paar.

Der erste Vorsitzende des FC Laiz, Simon Sprissler, zieht eine positive Bilanz. Zu Konflikten in der Mannschaft habe der Spielerzuwachs bisher nicht geführt. Das Team kickt nach seinem eigenen Motto: „We have differnt coloured skin, but our hearts are all green.“ Anderen Vereinen kann er nur empfehlen, sich zu öffnen und keine Angst vor „Neuem“ zu haben:

 

Simon-Sprissler-neu

1. Vorsitzender des FC Laiz Simon Sprissler

„Ich blicke auf viele Jahre Erfahrung in diesem Bereich zurück: Das Thema Asylbewerber ist in Laiz nicht fremd. Wir haben seit über 30 Jahren ein Übergangswohnheim in der Gemeinde. Momentan ist die Situation vielleicht etwas extremer, aber unsere Verein war schon immer offen für Neuankömmlinge. Wenn ich einen Blick auf unsere Aktiven und Jugendmannschaften werfe, dann ist das heute schon Multikulti. Da haben sicherlich bis zu 30% der Sportler einen Migrationshintergrund.

Zu Konflikten in der Mannschaft hat das aber nie wirklich geführt. Am Anfang gab es natürlich bei dem ein oder anderen auch Skepsis in Bezug auf die „Fremden“ und man musste sich erst noch etwas aneinander gewöhnen. Aber dann haben die neuen Mannschaftskollegen bei einigen die „Blickweite“ vergrößert und vielleicht auch das Englisch wieder etwas aufgefrischt. Heute freut es mich zu sehen, dass man den neuen Teammitgliedern hilft und zum Beispiel bei Arztbesuchen oder Amtsgängen zur Seite steht. Man übernimmt Verantwortung für einander, auf und neben dem Platz.

Wenn ich gefragt werde, ob ich anderen Vereinen empfehlen kann, sich für Flüchtlinge zu öffnen, gibt es für mich nichts, was dagegen spricht. Es liegt an den Menschen im Verein selbst, ob sie sich für etwas Neues öffnen wollen. Vor dreißig Jahren bin ich mit den vietnamesischen Kindern gemeinsam in die Grundschule gegangen. In den 90er Jahren habe ich mit Jungs, die in der Sowjetunion und Polen geboren wurden zusammen in der Jugend gekickt. Heute bringe ich eben ein paar Afrikanern über den Fußball die Deutsche Sprache und Kultur näher. Ich möchte keine Erfahrung missen, die ich mit all diesen Menschen erlebt habe und die heute nun meine Kinder für ihr Leben mitnehmen dürfen. Am Ende des Tages kann jeder aus den Eindrücken, die er mitnimmt, schließen was er will. Ich kann aber nicht über etwas urteilen, dass ich nicht kenne!“

 

(Beitrag von: Simon Sprissler, FC Laiz, und Anna Härle, Asylnetz Sigmaringen)

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someone