Asylnetz Sigmaringen

Zwischen Willkommen und Abwehr (2/4)

22. April 2016

Fortsetzung des Konradsblatt-Artikels „Zwischen Willkommen und Abwehr“ von Thomas Arzner.

Teil 2 von 4 unserer Serie

„An den Flüchtlingen scheiden sich die Geister in der Kirche“

Flüchtlinge sind auch in den Pfarrgemeinden St. Johann und St. Fidelis seit etwa einem Jahr ein Thema. „Am vergangenen Fastnachtsdienstag tauchten plötzlich zwei Asylbewerber aus Togo bei einer Veranstaltung im Pfarrsaal auf“, erinnert sich Vikar Armin Nagel. Er sitzt im Pfarrhaus, zwei Straßen entfernt von der Caritas, in der Sigmaringer Innenstadt. Man kam ins Gespräch und seither wurde die Flüchtlingshilfe für den 43-Jährigen immer mehr zum Schwerpunkt seiner Arbeit. Die Asylbewerber machten daraufhin bei der Altpapiersammlung der Ministranten mit, sie halfen beim Entrümpeln des Kirchendachbodens. Schließlich spielte eine Trommlergruppe im Gottesdienst zum Fest des heiligen Fidelis – dessen Eltern übrigens ebenfalls nach Sigmaringen einwanderten, sie kamen aus Antwerpen. „Dass zu einer vom Kirchenchor gestalteten Messe mit Weihbischof sich plötzlich ein Trommelstück gesellte, fand nicht jeder passend“, sagt Nagel. Aber der Auftritt hatte einen wichtigen Effekt: „Spätestens da sind die meisten Gemeindemitglieder mit dem Thema konfrontiert worden.“

Viele tun etwas für die Menschen aus den Krisenherden der Welt, die in Sigmaringen gestrandet sind, findet Nagel. Auch die Pfarrei hat ein wöchentliches „Café international“, ein Asylcafé, eingerichtet. Aber so manches Mal hätte sich der junge Priester  gewünscht, mehr von den „guten Katholiken“, wie er es sagt, im Rahmen der Flüchtlingshilfe zu sehen. Geholfen haben eher diejenigen, die schon lange nicht mehr oder noch nie im Alltagsleben der Pfarrgemeinde aufgetaucht seien. „An den Flüchtlingen scheiden sich die Geister in der Kirche“, sagt der Vikar.

 

Fortsetzung folgt schon morgen…

 

 

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