Asylnetz Sigmaringen

Zwischen Willkommen und Abwehr (3/4)

23. April 2016

Fortsetzung des Konradsblatt-Artikels „Zwischen Willkommen und Abwehr“ von Thomas Arzner.

Teil 3 von 4 unserer Serie

Neulich standen ein paar Flüchtlinge bei ihm im Vorgarten, einfach so

Der Anstieg an Asylbewerbern macht sich auch bei der Caritas bemerkbar: Bis vor zwei Jahren hatte der Verband noch eine Dreiviertelstelle für die Flüchtlingsarbeit besetzt. Mittlerweile sind es sieben und es gebe Probleme, Fachpersonal zu finden, sagt Karl-Arthur Unger, der sich mit dieser Aufgabe auskennt. Er war schon als Sozialarbeiter ebenfalls in der Flüchtlingshilfe tätig, schon in den 1990er-Jahren, als die Menschen vom Balkan vor dem Krieg flohen. Manches an der heutigen Situation erinnert ihn wieder an diese Zeit. Bis auf einen großen Unterschied. Die Menschen heute seien stärker sensibilisiert, die Hilfsbereitschaft sehr viel höher.

Wenn manche trotzdem etwas hilflos dastehen, weil es eben Fremde sind, die kommen, hat er ein gewisses Verständnis. Es prallen eben Kulturen und Traditionen aufeinander: Neulich standen ein paar Flüchtlinge bei ihm im Vorgarten, einfach so. Ein Verhalten, das man so in Deutschland eben nicht an den Tag legt. Was Flüchtlinge aber häufig nicht wissen. Was sie denn wollten, habe er sie gefragt. „Taxi“, habe einer geantwortet. Worauf sie ins Gespräch kamen.

Einziges Problem: „Die Kollegen reden schwäbisch“

Die große Anzahl von Flüchtlingen beschäftigt den Mann von der Caritas. „Man muss aufpassen, dass die anderen Bereiche des Verbandes nicht zu kurz kommen.“ Er denkt auch an die Integration so vieler Menschen und an die Grenzen, die es gebe. Trotzdem sagt Unger, dass ein Land wie Deutschland Zuflucht gewähren muss für jene, die Hilfe und Schutz brauchen. Zuflucht gefunden hat Layth Al-Mohammed. Der 23-Jährige stammt aus dem Irak. Mittlerweile ist er seit 14 Monaten in Deutschland, teilweise spricht er die neue Sprache fast akzentfrei und übersetzt ab und an in der LEA. Layth Al-Mohammed sitzt im Büro des „Gelben Hauses“ in Laiz, einem Ortsteil von Sigmaringen. Seit 1980 stellt die Caritas hier den Flüchtlingssozialdienst, Al-Mohammed ist einer von 180 Bewohnern. Aus Bagdad ist er vor dem Krieg, den Raketeneinschlägen, geflohen. Er hat Medizin studiert, das würde er in Deutschland gerne weitermachen – wenn er darf. Weil sich der junge Mann bei der Flucht in Italien registrieren ließ, muss er eventuell mit einer „Rückführung“, wie es im Amtsdeutsch heißt, dorthin zurück rechnen. Doch er hofft bleiben zu können. In Sigmaringen macht er seit ein paar Wochen ein Praktikum beim Rettungsdienst. Es mache ihm Spaß, einzig die Verständigung bereite manchmal Probleme. „Die Kollegen reden schwäbisch“, sagt er. Nach Silvester, als in Köln zahlreiche Frauen von Asylbewerbern bedrängt wurden, stellten sie  Fragen: Ob viele Afrikaner in Sigmaringen sind. Ob das auch hier passieren könnte. Aber ansonsten bekomme er von der Stimmung in der Stadt wenig mit: „Das ist alles okay. Halb so wild“, sagt er. Unsicher fühle er sich nicht.

 

Fortsetzung folgt schon morgen…

 

 

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