Asylnetz Sigmaringen

Wenn ein Hund Seelen streichelt….

12. Mai 2016

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Beau hat eine besondere Gabe. Er macht alle Kinder glücklich.

 

Mein Labrador Rüde Beau und ich sind ein ausgebildetes Therapie- und Besuchshundeteam. Durch meine ehrenamtliche Arbeit mit ihm in einer anderen Stätte hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass ein Hund ganz andere Verbindungen, Kontakte und Kommunikation zu Menschen aufbaut, als wir Menschen es tun. So entstand die Idee mit Beau regelmäßig Flüchtlingskinder in Laiz und Erwachsene montags im Café Globus zu „besuchen“. Damit sich niemand gezwungen fühlte Kontakt mit dem Hund aufnehmen zu müssen, wurden im Vorfeld Bilder von Beau aufgehängt um zu sehen, wie das Interesse vor allem bei Kindern ist. Das Interesse für ein erstes Treffen war enorm.

Für das ein oder andere Flüchtlingskind war die erste Begegnung mit einem Hund beängstigend, verunsichernd, respektvoll und Neugier erweckend zugleich. Keines der Kinder hatte in seinem bisherigen Leben so direkt einem Hund gegenüber gestanden, geschweige denn je einen Hund gestreichelt. Über langsames Herantasten beiderseits brach das Eis aber schnell und es dauerte nicht lange bis Beau von den Kindern die ersten Leckerlie aus der Hand bekam und einige Streicheleinheiten abstauben konnte. Durch gemeinsames Spielen verging die Zeit wie im Flug.

Die Kinder lernen nicht nur, wie man sich Hunden gegenüber verhält, sondern auch, dass Hunde anders auf Dinge reagieren als Menschen, und dass Hunde mit Respekt behandelt werden müssen, usw. Jede Woche wird Neues über den Hund gelernt: Gibt es Berufe für Hunde? Wie ist der Körper eines Hundes aufgebaut? Wie kommunizieren Hunde? etc.

Meine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Beau haben immer wieder gezeigt, dass wirklich viele Menschen, egal ob jung oder alt, Ausländer oder Deutscher, einfach seine ruhige Anwesenheit genießen. Wenn sie nicht wollen, müssen sie auch nicht mit ihm reden. Beau stellt keine Fragen, belehrt sie nicht, zweifelt sie nicht an. Er gibt den Menschen genau die Zeit, die sie brauchen, um Vertrauen zu fassen, um Sicherheit zu bekommen, dass in seiner Anwesenheit alles gut ist. Er zeigt ihnen, dass er nichts Böses von ihnen will. Er gibt ihnen die Zeit, die sie brauchen um vielleicht ihre Gedanken in Worte zu fassen. Sie fühlen sich bei Beau verstanden, egal was und wie häufig sie ihm etwas erzählen. Sie verlieren sich in Gedanken, wenn sie ihm durch das Fell streicheln und er einfach still neben ihnen sitzt, schwelgen auch manchmal dabei in Erinnerungen an eine bessere Zeit.

Gleichzeitig zeigt Beau ihnen aber auch immer wieder auf, dass es sich lohnt, sich für Neues, Unbekanntes zu öffnen. Dass es sich manchmal auch lohnt dafür über seinen eigenen Schatten zu springen; über seine eigenen Grenzen mal hinaus zu gehen.

Kurzum – Beau streichelt die Seele dieser Menschen. Und zwar genau an der Stelle an der sie verletzt, verzweifelt, unsicher oder aufgegeben ist. Das Lächeln dieser Menschen, der Fortschritt, der dadurch erreicht wird und die (stille) Dankbarkeit für die Zeit, die ich mit Beau bei ihnen verbringe, sind wirklich ein tolles Geschenk für mich.

Immer wenn die Kinder mein Auto nun auf den Parkplatz fahren sehen, kommen sie mir freudig entgegen. Jede Woche läuft ein anders Kind der Gruppe stolz mit Beau an der Leine ins Spielzimmer und die Gesichter der Spielkameraden erhellen sich immer wenn ihr „Freund Beau“ vorbeikommt.

 

(Beitrag von: Michaela Bergmann)

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