Asylnetz Sigmaringen

… 007 hat immer ein festes Ziel vor Augen!

5. September 2016

 

Wie in vielen Fällen hat Inam Anajum (Pakistani) das gelernt, was am nächsten lag. Als Ältester von neun Geschwistern übernahm er die Kenntnisse seines Vaters als Goldschmied und Schmuckverkäufer.

 

Er gehört einer religiösen Gemeinschaft an, die in Pakistan permanent schikaniert wurde. Deshalb verließ er Pakistan und verdingte sich als Mobilkranfahrer im Oman. Seine Familie musste er zurücklassen.

Mitte 2015 kam Inam über Frankfurt nach Sigmaringen und seither lebt er in der Gemeinschaftsunterkunft Gelbes Haus in Laiz. Im ehrenamtlichen Deutschkurs ist mir Inam sofort durch seinen Wissensdurst, seinen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit aufgefallen. Neben seiner Muttersprache Urdu spricht er perfekt Englisch und inzwischen so gut Deutsch, dass eine Verständigung im Alltag ohne Weiteres möglich ist.

Seit Mai 2016 kümmere ich mich zusammen mit Inam Anjum intensiv um eine feste Anstellung, möglichst in seinem Traumberuf als Kranfahrer. Über die Agentur für Arbeit haben wir den Hinweis bekommen, dass die Fa. Tegometall in Sauldorf bei Meßkirch einen Brückenkranfahrer sucht. Bereits am nächsten Tag verfassten wir zusammen seinen Lebenslauf und das zugehörige Bewerbungsschreiben. In der Zwischenzeit besorgte sich Inam professionelle Bewerbungsfotos. Und noch am selben Tag steckten wir die Bewerbungsunterlagen in den Briefkasten…

Knapp zwei Wochen später erhielt Inam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, zu dem wir gemeinsam gingen. Das Interesse bei den zuständigen Herren von Tegometall, Inam als Kranfahrer zu gewinnen, war groß. Kaum zuhause klärten wir die Möglichkeit eines 6-wöchigen Praktikums bei der Agentur für Arbeit und bei der Ausländerbehörde ab. Nur wenige Tage später konnte Inam sein Können vor Ort unter Beweis stellen. Ohne Auto und Führerschein ist es allerdings schwierig jeden Morgen nach Sauldorf zu kommen und jeden Abend wieder nach Hause. Aber auch hier fand sich eine Lösung: Seine fehlende Mobilität hat eine Mitarbeiterfahrgemeinschaft aufgefangen, die ihn täglich von Laiz nach Sauldorf und zurück mitnahm. Parallel wurde behördlicherseits die obligatorische Vorrangprüfung vorgenommen.

In der vierten Woche seines Praktikums habe ich mit den beiden Werksleitern von Tegometall und Herrn Anjum ein Feedbackgespräch vereinbart, um auszuloten, ob eine Übernahme möglich ist: Die Beurteilung fiel durchweg positiv aus.

Parallel hatte ich mit Inam betreffs Wohnungssuche einen Termin auf dem Rathaus von Sauldorf mit dem verantwortlichen Bürgermeister. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und im nächsten Amtsblatt stand bereits die entsprechende Anzeige.

Seit 15. August 2016 hält Inam Anjum stolz seinen unbefristeten Arbeitsvertrag als Brückenkranfahrer in Händen. Und es wäre nicht Inam, wenn er nicht bereits das nächste Ziel vor Augen hätte … ab Montag, 22.08.16 will er seinen Führerschein machen!

Die … 007 ist die Endziffer seiner Handynummer, so wusste ich immer sofort Bescheid … Inam Anjum ist am Telefon und hat eine Frage.

An dieser Stelle gilt mein Dank an Frau Reinauer (Agentur für Arbeit), Herrn Aigner und Frau Becker (beide Ausländerbehörde) für ihre kollegiale und unbürokratische Zusammenarbeit. Ohne sie wäre diese Arbeitsvermittlung nicht in dieser Geschwindigkeit möglich gewesen! Wenn alle zusammen anpacken, klappt’s!

 

(Beitrag von: Eberhard Samtner, Initiator und Koordinator des Projektes Flüchtlingspotentiale)

 

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