Asylnetz Sigmaringen

Ihr einziges Motto: Ärmel hochkrempeln

12. November 2016

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Was sind das für Menschen, die seit Monaten und Jahren ehrenamtlich Flüchtlingsarbeit leisten? Die  einen Bärenanteil gestemmt haben und weiterhin stemmen?

Wir von Asylnetz durften viele von ihnen kennenlernen: Am 10. November kamen Vertreter von verschiedensten Arbeitskreisen aus dem gesamten Landkreis zusammen. Die Integrationsbeauftragte Melanie Müller lud sie und uns im Rahmen der Initiative „Gemeinsam in Vielfalt“ in das Landratsamt ein, um eine Vernetzung und einen Austausch der verschiedenen Arbeitskreise anzustoßen.

Meßkirch, Mengen, Hohentengen, Gammertingen, Ostrach, Saulgau… natürlich alles Orte, die mit Flüchtlingen auf ganz unterschiedliche Weise in Berührung kommen. Aber egal wo, die Vertreter und Engagierten sind alle aus demselben Holz geschnitzt: Es sind Schaffer. Ganz handfeste und zupackende Schaffer.

Große und schöne Reden schwingt an diesem Abend keiner. Es geht um pragmatische Fragen. Pragmatische Hilfen. Geschäftsmänner berichten wie man mit Unternehmen spricht – auch über die Chance, mit Flüchtlingen längst offene Arbeitsstellen zu besetzen. Das Thema „Sprache“ packt die Helfer immer wieder: „Damit steht und fällt alles – alles! Ohne Sprache keine Wohnung, kein Führerschein, schon gar keine Arbeitsstelle!“ Sie wollen sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt, und keine „Prestigeprojekte“, über die sich einmal ein schöner Zeitungsartikel verfassen lässt, aber nachhaltig nichts bewirkt. Wie man Flüchtlingen etwas abverlangt, auch davon wird selbstverständlich und selbstbewusst berichtet. Man fordert ein, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten der Ortsgemeinschaft etwas zurückgeben.

Jeder, der die ehrenamtlichen Helfer für irgendwie Ideologie beladene Träumer hält, die einfach den Knall noch nicht gehört haben, der hätte nur diese Leute kurz mustern und beobachten müssen. Er hätte sich dann sang- und klanglos verdrückt. Da war keiner dabei mit einer rosaroten Brille auf der Nase. Da lässt sich keiner blenden. Nüchterner und pragmatischer kann man die Asylsituation kaum bewerten als die Vertreter der verschiedenen Helferkreise es tun. Wer Zweifel, Ängste, Fragen hat oder misstrauisch ist, der sollte sich wirklich einmal ein Herz fassen und mit einem von ihnen Kontakt aufnehmen. Vielleicht will man nicht, einen Syrer oder Eriträer zu sich an den Kaffeetisch einladen und sich seine Geschichte anhören. Muss man ja auch nicht, wenn man nicht will. Aber zu diesen schwäbischen Schaffern, die nicht viel theoretisieren, sondern einfach zupacken, zu denen sollte man sich mal ein halbes Stündchen hinsetzen und zuhören…

…das heißt: Wenn sie Zeit haben – es gibt nämlich immer viel zu tun.

 

(Anna Härle – Asylnetz Sigmaringen)

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