Asylnetz Sigmaringen

Wir müssen reden – Extrawurst für Asylbewerber

18. April 2017

Uns erreichen immer wieder Emails: Fragen, Kritik, Verwunderung, manchmal auch Vorwürfe. Das ist auch absolut in Ordnung! Für uns ist das nun der Anlass, zu einigen Punkten Stellung zu beziehen. Wir haben das Gefühl: Wir müssen reden!

Dieser ganze Helferkreis ist eine einzige Extrawurst für Fremde! Viele fragen uns: Wieso hat sich so ein Helferkreis eigentlich nie gebildet, um bedürftigen Menschen hier in unserem Land zu helfen? Vielleicht fragen auch Sie: Wo waren all diese Helfer vor 2016?

Manchmal werde ich sauer bei dieser Frage. Ich finde die Frage unlogisch: Will man von mir wirklich eine Entschuldigung dafür, dass wir etwas tun? Ich frage mich: Wo ist die vorwurfsvolle Email an diejenigen, die noch überhaupt nie etwas getan haben und natürlich auch jetzt nichts tun? Werden all die Nichtstuer auch angeschrieben und gefragt, warum sie sich 2016 nicht dazu entschieden haben, den Obdachlosen zu helfen? Die Frage ist unlogisch: Habe ich – nur weil ich einem Teil der hilfsbedürftigen Menschen helfe – die Pflicht, allen Menschen zu helfen?

Der Helferkreis wurde als Helferkreis gegründet, weil die Flüchtlingssituation mit einem Schlag aktuell wurde und es damals noch kaum bestehende Strukturen gab, um Abhilfe zu schaffen. Wenn nächsten Monat mit einem Schlag 1.500 demente Senioren nach Sigmaringen kommen, die vielleicht im Sandbühlstadion und im Freibad untergebracht werden müssen, und es keinerlei Hilfsstrukturen für sie gibt: Dann gründen wir ein Demenznetz-Sigmaringen. Versprochen!

Davon abgesehen: Selbstverständlich (!) gibt es viele „Helferkreise“ auch für bedürftige Menschen, die „einfach deutsch“ sind. Das Asylnetz Sigmaringen setzt sich aus mehreren Organisationen zusammen: Der Caritas, dem DRK, der Diakonie und den Kirchengemeinden. Diese sozialen Dienste (die schon immer von vielen Ehrenamtlichen unterstützt werden) gibt es ja nicht erst seit ein oder zwei Jahren. Ich beschränke mich hier auf ein paar Beispiele: Der Seite der Caritas können Sie entnehmen, dass hier keinerlei Schwerpunkt auf Flüchtlinge gelegt wird. http://www.caritas-sigmaringen.de/ Schauen Sie sich mal an, was hier alles geht! Dass beim DRK schon seit Ewigkeiten Menschen ehrenamtlich engagiert sind und bei allerlei Großveranstaltungen krasse Verantwortung übernehmen, ist logisch. Die Kirchengemeinden! Sie organisieren seit so vielen Jahren die ehrenamtliche Seniorenbetreuung zuhause und in den Altenheimen. Und sie übernehmen so oft die schwierige Aufgabe der Sterbebegleitung. Für ein Wohnprojekt für Obdachlose hat die Stadt sogar einen Preis gekriegt https://goo.gl/Dhc0vA . In den Vereinen, die heute auch Flüchtlinge einbeziehen, werden deutsche Jugendliche gefördert – immer schon.

Eine einfache Erkenntnis:

Menschen in Sigmaringen waren schon immer engagiert. Wenn es Probleme gab, hat man Lösungen erarbeitet. Nichtstun liegt den Sigmaringern nicht.

 

(Autorin: Anna Härle, Asylnetz Sigmaringen)

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