Asylnetz Sigmaringen

Ein „High Potential“ fasst Fuß!

1. Juni 2017

 

Diese Geschichten denkt sich die Presse aus? Die gibt es in wirklich gar nicht? Ich kann Ihnen versichern: Ich bin nicht die Presse. Und ich habe die Flüchtlingskrise kennen gelernt: Teil der Realität ist Imad Ahmad.

Imad Ahmad, Syrer, 44 Jahre alt. Seit fast zwei Jahren begleite ich ihn. Aus Angst um seine Familie und sein Leben ist er geflohen. Mit zwei kleinen Kindern (heute vier und fünf Jahre alt) und seiner Frau musste er aus Aleppo rauskommen, als dort schon brutaler Krieg herrschte. Er kam nach Sigmaringen. Lebt heute ihn Rohrdorf.

Herr Ahmad hat an der Universität Aleppo Elektrotechnik studiert. In Aleppo war er Leiter der Wasserwerke. Verantwortlich für die Wasserversorgung von über 4 Mio. Einwohnern. Zu Friedenszeiten hatte er zwischen 500 und 600 Mitarbeiter unter sich. Ein anspruchsvoller Job, ein gutes Auskommen, ein Geschäftswagen… Dieser schreckliche Krieg machte alles zunichte. Am Ende ging es nur noch darum, sich und seine Familie zu retten (Googlen Sie JETZT einmal kurz „Aleppo Bilder“).

Imad Ahmad spricht Kurdisch, arabisch, englisch und französisch und inzwischen auch deutsch. Ich lernte ihn im ehrenamtlichen Deutschkurs kennen. Er und seine Frau haben beide den Integrationskurs B1 in Sigmaringen erfolgreich absolviert. Ab Ende Mai beginnen sie den Aufbaudeutschkurs mit Abschluss B2. Die beiden Kinder gehen in Rohrdorf in den Kindergarten

Sein Studienabschluss als Elektroingenieur wurde inzwischen von der Ingenieurkammer Baden-Württemberg anerkannt. Ganz nebenbei machte Imad Ahmad den deutschen Führerschein und ist inzwischen stolzer Besitzer eines eigenen Autos.

Seit über einem Jahr suchen wir zusammen eine adäquate Stelle für Imad. Wir hatten verschiedene Ideen, wo man ihn brauchen könnte: Bei der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen? Bei mittelständischen Unternehmen aus den Bereichen Wasserversorgung und Elektrotechnik? Jetzt sind wir vor ca. vier Wochen bei der Firma SCHAEFER in Laiz gelandet. Es entspricht zwar nicht exakt dem, was Herr Ahmad die letzten 15 Jahren beruflich umgetrieben hat: Künftig geht es mehr um Elektronik und weniger um Elektrik. Aber mit Anfang 40 ist er noch flexibel genug und vor allem motiviert, Neues anzugehen.

SCHAEFER zählt weltweit zu den Technologieführern in Bedien- und Anzeigeelemente, Taster, Tableaus und Lift Info Systeme für den modernen Aufzugbau. Die Personalentwicklung unter der Leiterin Frau Barbara Knobloch ist hochgradig professionell: Hoher technischer Sachverstand, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen. Die Kompetenzen von Herrn Ahmad wurden genau durchleuchtet. Ingenieure aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens waren in den Auswahlprozess mit eingebunden und konnten sich ein Bild von dem neuen Mitarbeiter machen. Am Ende kam man zu dem Ergebnis: Der Bedarf der Firma SCHAEFER und die Kompetenz von Herrn Ahmad decken sich!

Im Mai nahm Herr Ahmad seine Tätigkeit bei SCHAEFER auf. Er startet in der Fertigung und hat die Perspektive, bei guter Leistung, nach entsprechender Einarbeitung und weiteren Schulungen zum Gruppen- oder Teamleiter aufzusteigen.

Zu Beginn will Herr Ahmad aber erst noch einen Aufbaudeutschkurs machen. Das Unternehmen SCHAEFER unterstützt ihn dabei und beschäftigt ihn in dieser Zeit halbtags. Respekt vor so viel unternehmerischer Weitsicht!

Meinen Freund Imad und seine Familie werde ich weiterhin in seiner Entwicklung beobachten und begleiten. Denn genau diese engagierten Arbeitskräfte braucht Deutschland.

(Beitrag von Eberhard Samtner, Initiator und Koordinator des Projektes Flüchtlingspotentiale)

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