Asylnetz Sigmaringen

LEA-Sigmaringen: Schüler im Gespräch mit einem anerkannten irakischen Flüchtling

16. Mai 2018

 

 

Es ist als kleine Premiere anzusehen, dass der Austausch in dieser Form im Begegnungscafé stattfindet. Sozusagen als Gemeinschaftsprojekt organisiert vom Ehrenamt, Streetwork und dem Regierungspräsidium Tübingen.

Sehr still ist es, wenn Noori Mato, mit leiser Stimme über seine Flucht durch das Sindschar-Gebirge berichtet. Aus der Heimat von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vertrieben, die Anfang Juni 2014 eine Blitzoffensive im Irak startete und die Großstadt Mossul einnahm, floh er mit Nichts als den Kleidern am Leibe zusammen mit seiner Familie und zehntausend weiteren, vorwiegend jesidischen Flüchtlingen in das karge Gebirge im Nordirak.

Dort musste er, für Tage eingeschlossen, das Sterben von Menschen miterleben, die den menschenunwürdigen Strapazen nicht gewachsen waren, bis er die Flucht über die Türkei,  letztlich nach Deutschland schaffte.

Konzentriert und bewegt hören die Schülerinnen und Schüler der 10.Klasse der Liebfrauenschule Sigmaringen, begleitet von ihren Lehrern Barbara Engelhardt und Gerhard Stumpp, dem 23 Jährigen Jesiden zu. Im Rahmen des WELTfairÄNDERERTAGES wollten sie beim „Thema Flüchtlinge“ nicht nur über, sondern mit zumindest einem Flüchtling reden und haben dementsprechend viele Fragen zu Flucht, den vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten, in einem fremden Land Fuß zu fassen, wie auch zum jetzigen Leben in Deutschland vorbereitet. Zuvor nahmen die Jugendlichen an einem Rundgang über das Gelände der Landeserstaufnahmeeinrichtung Sigmaringen teil, um sich ein Bild vor Ort über die Lebensumstände der Geflüchteten zu machen.

Es ist als kleine Premiere anzusehen, dass der Austausch in dieser Form im Begegnungscafé stattfindet. Sozusagen als Gemeinschaftsprojekt organisiert vom Ehrenamt, Streetwork und dem Regierungspräsidium Tübingen: Begegnung auf Augenhöhe und Erfahrungen aus erster Hand eines mittlerweile anerkannten Flüchtlings. Herr Mato beantwortet alle Fragen bedächtig und berührend, anschließend geben Streetworker Frank Vees und Ehrenamtskoordinatorin Stefanie Gäble noch Einblicke in ihre tägliche Arbeit.

Herr Mato spricht von Glück: Er lebt in einer kleinen Wohnung in Sigmaringen und ist inzwischen hauptberuflich beim DRK als Dolmetscher für 5 Sprachen beschäftigt, um mit seiner Arbeit das Team der Sozial- und Verfahrensberatung in der LEA -Sigmaringen zu unterstützen. Heimat sieht er da, wo er Freunden und aufgeschlossenen Menschen begegnet und zeigt dabei auf die Schülerinnen und Schüler: Dank solcher Begegnungen ist ihm inzwischen auch Deutschland zur Heimat geworden.

 

Birgitta Samtner-Kempf

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, LEA Sigmaringen