Asylnetz Sigmaringen

Ich habe einen Traum… – Flüchtlinge berichten im Gottesdienst aus Ihrer Heimat

3. Juni 2018

 

Er erzählte, dass es sehr gefährlich ist als Christ im Iran zu leben.

Am Sonntag, den 29.04.2018 fand um 19:00 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche in Gorheim, wie jeden letzten Sonntag im Monat ein Internationaler Gottesdienst statt. Wie es schon vor ein paar Wochen bekannt gegeben wurde, wird dieser Gottesdienst in Zukunft in anderer Form stattfinden. Alle drei Monate gibt es nun einen „länderspezifischen“ Gottesdienst, dort wird ein spezielles Land ausgewählt, über welches Flüchtlinge, die von dort kommen, ein paar Fakten erzählen aber auch von persönlichen Erfahrungen und Fluchtgründen berichten.

Der vergangene Gottesdienst war der erste dieser Art und hatte als Thema den Iran. Es ging vor allem darum, wie es ist, als Christ im Iran zu leben. Dazu haben wir zwei Flüchtlinge aus dem Iran gefragt, ob sie etwas über die Situation in Ihrem Heimatland erzählen wollen und berichten wie es Ihnen dort ergangen ist und warum sie fliehen mussten. Beide meinten daraufhin, dass es nicht leicht sei über dieses Thema zu sprechen. Trotzdem haben Sie Ihre Geschichte mit allen geteilt und so dabei geholfen, den Gottesdienst zu einem sehr schönen und ergreifenden zu machen.

Begonnen mit allgemeinen Infos über den Iran, veranschaulicht mit ein paar Bildern, berichtete im Verlauf der Feier  einer der beiden von seinen persönlichen Erfahrungen in seiner Heimat.

Er erzählte, dass es sehr gefährlich ist, eigentlich, als Christ im Iran zu leben, und dass einem der Tod droht, wenn man vom Islam zum Christentum konvertiert.

Trotzdem merkte er schon recht früh, dass er an etwas anderes glaubte, als das was Ihm vorgelebt wurde. Er merkte aber auch mit der Zeit, dass er nicht der einzige war. Er schloss sich einer kleinen Gruppe weiterer Christen an, welche sich unregelmäßig und sehr heimlich in einem kleinen Zimmer eines Hauses traf. Die Uhrzeit wurde kurz davor ohne weitere Worte per SMS versendet, sodass kein Geheimdienst sich etwas dabei denken konnte. Auf der Straße, wachten vor dem Haus ein paar Leute, um vor der Polizei zu warnen falls diese aufkreuzte. Eines Tages kam die Polizei dann, die Leute vor der Türe warnten die anderen und alle versuchten so schnell es geht und unbemerkt aus dem Haus zu verschwinden. Unserem Erzählenden gelang es zu entkommen, er vergaß aber bei der Aufregung seine Tasche, in der sein Geldbeutel und somit auch sein Ausweis war. Ihm war klar, dass er das Land gemeinsam mit seinem Sohn verlassen muss, da Sie Ihn sonst Zuhause finden würden. Am Ende seiner Geschichte erzählte er uns bedrückt, dass er von einem seiner Freunde aus dieser Gruppe von diesem Tag an nie wieder etwas gehört habe.

Die Traurigkeit seiner Geschichte und vor allem der letzte Satz sorgten für Gänsehaut und Tränen in den Augen. Es ist fassungslos zu hören, wie ein Mensch aufgrund seines Glaubens derart unterdrückt wird und solche Angst um sein Leben haben muss, dass er einen so großen Schritt wagt und seine Heimat, seine Familie und Freunde verlässt. Wie grausam ist doch ein Staat, in dem Menschen aufgrund von anderen Vorstellungen an Ihren Glauben verschwinden oder getötet werden. Dieses Thema hat auch  Pfarrer Baumgartner aufgegriffen: Er berichtete von ähnlichen Situationen in anderen Ländern und verdeutlichte mit geschriebenen Gesetzen, dass es jedem Menschen frei steht zu glauben, an was er möchte.

Auch in der weiteren Gestaltung war der Gottesdienst wunderschön und dem Thema angepasst. Immer wieder gab es tolle persische Musikeinlagen von unseren zwei Sängern, mit bewegenden Texten zum Beispiel über ein Leben ohne Krieg und ein Leben in dem man denken darf was man will und nicht dafür bestraft wird. Die Texte konnte man während den Liedern auf Deutsch mitlesen.

Abschließend kann man also nur sagen, dass es sich sehr lohnt, einen solchen Gottesdienst zu besuchen. Man erfährt Dinge über Geflohene, die man im Vorbeilaufen nicht über sie erfahren kann, und man versteht umso mehr, warum sie Schutz gesucht haben.

Der nächste Gottesdienst in dieser Form findet am 22.07.2018 in Gorheim statt und handelt von dem Land Ungarn.

 

 

Geschrieben von Lina Mittermüller (FSJ-lerin in der Seelsorgeeinheit und im Caritasverband)