Asylnetz Sigmaringen

Schalaktion und Babydecken in der LEA

14. September 2018

Doppelaktion der katholischen und evangelischen Kirche in der Women’s Lounge der LEA Sigmaringen.

Die vielen fleißigen Hände um Anita Fischer, die letztes Jahr so eifrig die weiß, gelb und violett gestreiften Schals strickten, haben im Geiste der Solidarität und Mitmenschlichkeit gleich zweimal Gutes getan. Einmal, indem sie beim ökumenischen Kirchenfest 2017 mit der Schalaktion die beiden Kirchen auf symbolische Weise miteinander verbanden und in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal, indem sie die zusammengenähten Schals, nunmehr richtig kuschelige Babydecken, Müttern und ihren Kleinkindern im Alter von zwei bis vierundzwanzig Monaten in der LEA übergaben. Zirka siebzig Kinder von null bis siebzehn Jahren leben momentan mit ihren Eltern in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Sigmaringen.

In der Women`s Lounge, dem Frauentreffpunkt auf dem ehemaligen Kasernengelände, trafen sich an diesem strahlend schönen Montagmorgen rund ein Dutzend Mütter, ein paar wenige Väter und ganz viele Babys und Kleinkinder, Kinder mit so hoffnungsvoll positiv klingenden Namen wie Joy, Angel, Praise, Treasure oder God‘sTime.
Unterstützt von einer weiteren Bewohnerin, die freiwillig gemeinnützige Arbeit in der Einrichtung leistet, bot eine Mitarbeiterin des Alltagsbetreuers den Anwesenden Saft und Gebäck von einem liebevoll gedeckten Tisch an.
Auf drei Sofas und mehreren Sesseln drängten sich die Frauen eng zusammen, auf jedem zweiten Schoß ein schlafendes, nuckelndes oder aufmerksam dreinblickendes Baby oder Kleinkind.
Andrea Huthmacher, die Ansprechpartnerin in der LEA, stellte den Frauen die beiden Überbringerinnen der Babydecken vor und schilderte kurz den Grund ihres Kommens. Ihrer Anregung, etwas über sich zu erzählen, kamen nach einigem Zögern zwei Frauen nach.
Die Berichte der beiden Mütter, die mit ihren Kindern und Ehemännern seit sechs bzw. einem Monat in der LEA leben, sind wohl exemplarisch für die Schicksale fast aller Afrikanerinnen im Raum. Momentan beherbergt die LEA Sigmaringen zahlreiche Flüchtlinge aus Nigeria. Die Erlebnisse von Precious und Fausiyet während ihrer Flucht aus dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, einem Land, das von der Terrorgruppe Boko Haram, von Korruption und Misswirtschaft zu einem der ärmsten Länder der Welt heruntergewirtschaftet wurde, ähneln sich.
Sie berichteten von unmenschlichen Bedingungen in den libyschen Auffanglagern, von Misshandlung und Vergewaltigung durch marodierende Jugendbanden, von Gefängnisaufenthalten, der lebensgefährlichen Überfahrt nach Sizilien und der anschließenden Unterbringung in einem italienischen Flüchtlingscamp, vergleichbar dem „hell fire on earth“, so Fausiyet, die häufig nach ihrem einjährigen Sohn Jeffry Ausschau hält, der sich in dem Gewimmel der vielen Kinder sichtlich wohl fühlt. Die Sorge um die Kinder, die in den Lagern immer wieder krank wurden, ließen die Familien weiter nach Norden, nach Deutschland fliehen. „Ich bin so dankbar, dass wir hier sind und dass es meinen Kindern gut geht“! mit diesen Worten beendete Fausiyet ihren Bericht und nahm gerne die warme Decke für ihren kleinen Jeffry in Empfang.

 

(Beitrag von Elisabeth Weiger)