Asylnetz Sigmaringen

Von der Idee bis zum fertigen Bühnenbild für das „Fest der Kulturen“

1. Dezember 2018

 

Mitte August 2018 fragte Claudia Lamprecht, Integrationsbeauftragte der Stadt Sigmaringen beim DRK Bereich Flüchtlingshilfe in der Landeserstaufnahme (LEA) an, ob wir das Bühnenbild für das „Fest der Kulturen“ am 14.Oktober 2018 gestalten können.

Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten Thaer, Innenarchitekt aus Palästina und seine Ehefrau Chimae, Dolmetscherin aus Marokko, als Helfer in der DRK Kinderbetreuung. Sie unterrichteten täglich in Deutsch, Englisch und Arabisch, organisierten mit den ehrenamtlichen DRK Helfern die Angebote, dolmetschten und Bastelten mit bis zu 30 Kindern.

Thaer und Chimae erklärten sich bereit das Bühnenbild zu gestalten.

Zur gleichen Zeit absolvierte Belinda, Studentin der Wirtschaftswissenschaften ein 6 wöchiges Praktikum in der DRK Flüchtlingshilfe. Sie, und die Koordinatorin des Kinderlandes, Sabine Gruler sollten das Projekt unterstützen.

Das Budget für das Bühnenbild lag bei 200 Euro.

Thaer plante daher eine Kollage aus alten Stoffen und gebrauchter Kleidung (diese waren  aufgrund von Verschmutzung oder Defekten nicht mehr tragbar), welche in der DRK Spendenannahmestelle des DRK abgegeben wurden.

Nach einem Entwurf des Bühnenbildes am Computer und einem Farbkonzept konnten die benötigten Materialien zusammengetragen werden. Eine gespendete Nähmaschine konnte ebenfalls bereitgestellt werden.

Doch dann hatten Thaer und Chimae ihren Termin für die Verlegung in eine Gemeinschaftsunterbringung. Das Datum stand fest. Es war der 27. August. Wir wussten nur noch nicht in welchen Landkreis, hofften auf einen Nachbarkreis. Schlimmer konnte es nicht kommen: Die „neue Heimat auf Zeit“ war Schwäbisch Hall, Kirchberg an der Jagst. Landschaftlich traumhaft aber leider 225 km von Sigmaringen entfernt.

Wir brauchten einen Plan B. Erstmals galt es abzuwarten. War die neue Unterkunft ein Container? Gab es genügend Platz um das Bühnenbild mit den Maßen 6×9 Meter herzustellen? Wir hatten Glück. Die neue Bleibe war ein altes Pflegeheim. Der zuständige Sozialarbeiter stellte Thaer und Chimae einen großen Raum zur Verfügung. Dieser wurde gereinigt und die Möbel aus dem Weg geräumt.

Am 05. September packten wir in Sigmaringen einen Kastenwagen voll mit Nähutensilien, Wolle, Nähmaschine und 13 Säcke mit Stoffe und Altkleider.

Thear und Chimae konnten loslegen. Die einzelnen Elemente wurden ausgeschnitten und zusammengestellt. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es nicht möglich war alles mit der Nähmaschine zusammen zu nähen. Die Lösung war Sprühkleber „extra strong“ und die gute alte Heißklebepistole. Wöchentlich erreichten uns Nachrichten dass Nachschub benötigt wurde. Da es in Kirchberg keine Einkaufsmöglichkeiten gab, bestellten wir das Material per Internet und sendeten es nach Kirchberg.

Insgesamt wurden 10 Dosen Sprühkleber und 120 Silikon Sticks für die Heißklebepistole benötigt.

Thaer und Chimae arbeiteten jeden Tag oft bis zu 10 Stunden an dem Bühnenbild. Nebenbei hatte auch schon ihr Sprachkurs begonnen. Sie hatten Unterricht und mussten ihre Hausaufgaben erledigen.

Am 09. Oktober war das Bühnenbild fertig. Zusammengerollt füllte es einen 120 Liter Sack. Mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln war dies nicht zu bewerkstelligen. Daher fuhren wir am 12. Oktober ein weiteres Mal nach Kirchberg an der Jagst. Thaer, Chamae und der Wandteppich wurden ins Auto verladen und die Reise ging zurück nach Sigmaringen.

Am 13. Oktober wurde die Bühne für das Fest der Kulturen aufgebaut. Als diese stand und ausgerichtet war, konnte die Montage des Bühnenbildes erfolgen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die Bühne zu klein, bzw. das Bühnenbild zu groß war. Nachdem die Bühne hochgefahren wurde, war nur die Hälfte des Bühnenbildes zu sehen.

Es musste nach einer neuen Lösung gesucht werden. Alle Kabelbinder wurden entfernt, das Bühnenbild musste weiter nach vorne gezogen und neu ausgerichtet werden. Es sollte von vorne nach hinten gespannt werden. Doch dies machte das Material nicht mit. Die Last war zu schwer und der Stoff riss aus.

5 Versuche, 120 Kabelbinder und zwei Stunden später war es vollbracht. Das Bühnenbild war angebracht.

Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich den beiden Mitarbeitern des städtischen Bauhofs für ihren Einsatz und ihre Hilfsbereitschaft.

 

Das DRK Team der LEA Sigmaringen