Asylnetz Sigmaringen

Aktuelle Schwierigkeiten bei der Arbeitsvermittlung

17. Februar 2019

 

Es wird zunehmend schwerer, geflüchtete Menschen aus den Gemeinschaftsunterkünften Sigmaringen und Meßkirch in Lohn und Brot zu bringen.  Mehrere Gründe tragen dazu bei:

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass es aktuell in Sigmaringen und Umgebung schwieriger ist, asylsuchende Menschen in Arbeit zu vermitteln:

  • Die Flüchtlingszahlen sind deutlich zurück gegangen. Das merkt man. Die Gemeinschaftunterkunft in Gammertingen z.B. ist komplett aufgelöst.
  • In den Unterkünften Sigmaringen und Meßkirch wohnen immer weniger Geflüchtete.
  • Durch die stringentere Handhabung der Behörden bei Geflüchteten, die ihre Herkunft dokumentarisch nicht nachweisen können oder wollen, erhalten Asylbewerber ein Arbeitsverbot.
  • Das Potential der Bewerber ist bis auf wenige Ausnahmen auf einem Niveau, das in unserer Leistungsgesellschaft, die in der Regel keine Helfer sucht und braucht, nur schwer vermittelbar. Fischer, Teppichknüpfer, Olivenpflücker und Tagelöhner, meist ohne oder mit nur geringer Schulbildung, tun sich schwer.
  • Ohne Führerschein und ohne eigenes Auto scheitern in unserer ländlichen Region selbst sehr aussichtsreiche Arbeitsvermittlungsversuche.
  • Wenn die Bewerber ohne eigenes Auto keine weite Strecken zurücklegen können, versuchen sie eine Wohnung in der Nähe ihrer potentiellen Arbeitsstelle zu bekommem. Bei der Wohnungssuche sieht es für Geflüchtete aber (auch) schlecht aus.
  • Auch Akademiker haben in bestimmten Fachgebieten kaum eine Chance: z.B. die Juristen. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Rechtssysteme.
  • Geflüchtete Studenten erhalten kein BAföG, da in Deutschland ein „Zweitstudium“ nicht gefördert wird. Studienkredite über die KfW scheitern an den Vorgaben, dass nur derjenige kreditwürdig ist, der nachweislich an einer deutschen Schule im Ausland, oder an einer Schule in Deutschland, seine Studienberechtigung (Abitur) erfolgreich absolviert hat.
  • Und nicht zuletzt sind potentielle Arbeitgeber vorsichtiger bei Einstellungen von geflüchteten Menschen geworden, nachdem es immer wieder zu Abschiebungen von festangestellten Mitarbeitern, oder Auszubildenden, gekommen ist. So sind bei den Arbeitgebern zwei Fragen entscheidend: Erstens: Welche Deutschkenntnisse sind vorhanden? Und zweitens: Welche Bleibeperspektive hat der Bewerber?

 

Mit Geduld und Einsatz gelingt dennoch die ein oder andere Vermittlung in die Arbeitswelt. So aktuell zum Beispiel bei Herrn KHIDHIR, einem irakischen, studierten Gitarrenlehrer. Da Herr KHIDHIR fern seiner Ausbildung in seiner Heimat über zehn Jahre eine eigene Parfümerie betrieben hat, haben wir uns bei 13 Drogeriemärkten und sechs Musikschulen, im Umkreis von ca. 30 km um Sigmaringen, beworben. Zurück erhielten wir nur fünf Antworten. Alles Absagen bis auf eine Zusage der Musikschule Bad Saulgau für die stundenweise Beschäftigung als Gitarrenlehrer. Die Freude war groß und ich drücke Herrn Ahmad Saad Aldeeen KHIDHIR beide Daumen, dass dieser „Einstieg“ der Einstieg in eine Vollbeschäftigung sein wird.

(Beitrag von Eberhard Samtner,  Initiator und Koordinator des Projektes Flüchtlingspotentiale)