Asylnetz Sigmaringen

Eberhard Samtner stellt vorerst Tätigkeit ein

9. Juli 2019

Leidenschaftliches, ehrenamtliches Bemühen um Arbeitsplätze für geflüchtete Menschen haben die letzten fünf Jahre einen Teil meiner freien Zeit geprägt. Hierbei konnte ich meinen beruflichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen und im Verhandeln mit potentiellen Arbeitgebern voll einbringen.

Über 70 Interviews und ebenso viele Lebensläufe mit potentiellen Kandidaten wurden geführt bzw. zusammengestellt und versandt. Kontaktaufnahmen und Vorstellungsgespräche zu über 60 Firmen brachten zwar nicht immer den sofortigen gewünschten Vermittlungserfolg, aber Hartnäckigkeit und Dranbleiben zahlten sich am Ende aus. Nicht nur Helfer, auch Facharbeiter bis hin zu Ingenieuren konnten erfolgreich in Festanstellungen untergebracht werden. Besonders freut mich, dass der ein oder andere Geflüchtete inzwischen vor dem Abschluss seiner erfolgreichen Gesellenprüfung steht bzw. diese bereits bestanden hat. Hier gilt auch mein ausdrücklicher Dank den Handwerksbetrieben und Unternehmen, die sich diesen Herausforderungen angenommen haben und inzwischen stolz auf ihre neuen Mitarbeiter sind, die sie ansonsten am deutschen Arbeitsmarkt nicht hätten rekrutieren können.

Inzwischen hat sich die Situation jedoch deutlich gedreht. Die Zahl der Geflüchteten hat enorm abgenommen. Das Potential des aktuell zu vermittelnden Personenkreises liegt oftmals nur knapp über Grundschulniveau, was eine Vermittlung in den leistungsorientierten deutschen Arbeitsmarkt extrem erschwert, zumal der Bedarf an ungelernten Helfern hierzulande sehr überschaubar ist. Hinzu kommen enorme Defizite in der deutschen Sprache. Eine Vermittlung in Richtung Berufsausbildung ist unter diesen Voraussetzungen mit gutem Gewissen kaum machbar. Die fehlende Mobilität der Betroffenen stellt in unserem ländlichen Raum eine weitere Hürde dar.

Auf der anderen Seite stehen Handwerks- und stationäre Betriebe, die zwar motiviert sind, geflüchteten Menschen eine Chance zu geben, den Kandidaten jedoch eine erfolgreiche dreijährige Ausbildung (Berufsschule) unter den o.g. Bedingungen nicht zutrauen.

Mit Beginn des letzten Jahres wurde ich seitens der Unternehmen mit einer neuen Fragestellung konfrontiert. Die Frage nach der „sicheren Bleibeperspektive“. Leider haben die Abschiebungen von festangestellten Geflüchteten und von jungen Menschen in Ausbildung deutlich zugenommen. Dies führt in den Betrieben zu Vorbehalten bei Neueinstellungen aus diesem Personenkreis.

Da ich Vermittlungen an Leiharbeitsfirmen ablehne, wurde mein „Aktionsradius“ immer kleiner, und Erfolge stellten sich kaum mehr ein. Dies ist für mich einer der Gründe, meiner selbstgewählten Herausforderung ein vorläufiges Ende zu setzen.

Ich bedanke mich bei allen, die mir in diesen fünf Jahren unbürokratische Unterstützung und Vertrauen entgegengebracht haben.

Ihr Eberhard Samtner

(Beitrag von Eberhard Samtner, Initiator und Koordinator des Projektes Flüchtlingspotentiale)