Asylnetz Sigmaringen

Stets sicher unterwegs – Fahrrad- Verkehrssicherheitstraining für Schulkinder

7. August 2020

Der Caritasverband Sigmaringen und die Integrationsbeauftragten der Stadt Sigmaringen, Meßkirch und Ostrach und des Landkreises Sigmaringen haben zusammen ein Fahrsicherheitstraining für Schulkinder mit und ohne Migrationshintergrund organisiert.

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Einblicke in ehrenamtliches Engagement in Zeiten von Corona

22. Mai 2020

„Bereits unmittelbar nachdem die Schulen am 17.März geschlossen wurden war klar, das wird nicht einfach. Von zwei Frauen wurde ich angesprochen und um Hilfe gebeten.

Am Beispiel der etwas intensiveren Betreuung  einer Familie bei der Vater und Mutter in Ausbildung sind und drei Kinder im Kindergarten kann ich ein paar Erfahrungen schildern. Mit Corona fielen zwar die vier Schultage für die Mutter flach – aber dafür waren drei quickfidele Kinder zu Hause. Der Vater, der seine Ausbildung bei einer Pflegeeinrichtung außerhalb macht und daher teilweise auch außerhalb wohnt, war an den nun nicht stattfindenden Schultagen zwar zu Hause – aber natürlich auch mit Hausaufgaben!

Ich denke, der erste  Hilferuf kam so eine Woche nach Schulschließung als die Schulen sich organisiert hatten und MOODLE aktiviert war. „Kannst Du mir sagen wie das geht, wie bekomme ich meine Aufgaben und wie schicke ich die Aufgaben an die Schule zurück“? Da war ich zuerst auch überfragt.  Aber immerhin habe ich einen PC und einen Drucker zu Hause. Mit einem Mobiltelefon – und nichts als einem Mobiltelefon ist Fernunterricht nicht machbar. Wäre – bei aller Notwendigkeit für einen raschen und kompletten Lockdown – am letzten Schultag nicht die Möglichkeit gewesen zu prüfen, ob die Schüler für diese Form von digitalem Unterricht ausgerüstet sind? Einen PC und einen Drucker findet man bei den Füchtlingsfamilien die ich kenne nicht. Man hätte doch auch den Postweg für den Austausch von Aufgabenblättern anbieten können! Im Zeitalter der Digitalisierung im High Tech Bundesland Baden-Württemberg sicher altmodisch und bieder – aber manchmal wäre das die bessere Variante gewesen.

Unerschrocken habe ich mich bei der Schule gemeldet und um einen Zugang zu MOODLE gebeten – das ging auch ganz unbürokratisch. Ein Lehrer hatte zur Aufgabe gemacht, die Seite 22 im Buch zu lesen und die dazugehörigen Aufgaben zu bearbeiten. Schien ganz einfach, aber da die Schüler der Berufsschule am Montag noch  im Betrieb waren und am Dienstag die Schule bereits geschlossen wurde, waren die Bücher im Schließfach in der Schule. Vielleicht gehen die Lehrer ja davon aus, dass alle Schüler die Bücher täglich mit nach Hause nehmen um abends noch zu lernen, vielleicht wurde den Schülern auch deutlich gesagt, dass die Bücher mit nach Hause genommen werden müssen aber  in  meinem Fall waren die Bücher nicht verfügbar. Und kaum zu glauben, als ich in der Schule anrief um zu fragen, ob ich die Bücher am nächsten Tag holen könnte hieß es NEIN! Da hätte ich mir doch eine andere Antwort gewünscht – aber Regeln sind eben Regeln! Natürlich gab es dann doch noch einen Schüler der das Buch zu Hause hatte und bei dem wir es ausleihen konnten – aber es war eben schon gleich kein guter Start.

Der zweite Lehrer hatte  eine Präsentation und Arbeitsblätter zum download bereitgestellt. Mit dem Ausdrucken konnte ich helfen – aber man sollte die ausgefüllten Arbeitsblätter dann scannen und in MOODLE einstellen.  Ich habe leider keinen Drucker mit dem man scannen kann. Wir haben die Arbeitsblätter also abfotografiert – aber das Fotoformat konnte  man nicht in MOODLE hochladen. Oder, ich muss präzisieren – ICH konnte es nicht, vielleicht wäre es technisch ja möglich gewesen. Also verschickten  wir die Fotos an die angegebene Kontakt-Mailadresse des Lehrers.  Das ging – und postwendend kam die Antwort, wir sollten doch das Arbeitsblatt direkt in MOODLE einstellen. Danke für den Hinweis! Einige Lehrer haben diesen Weg der e-mail Übermittlung akzeptiert, heute hat doch tatsächlich noch einer zurückgeschrieben, dass sein Postfach an der Schule voll sei und wir die Aufgabe doch in MOODLE einstellen sollen!

Ich habe vieles gelernt in den letzten Wochen.

Zusammen mit B.  habe ich einige Stunden beim Lernen zugebracht. Meist haben wir uns bei mir getroffen – bessere Arbeitsatmosphäre, keine Kinder. Ich habe erklärt, ermuntert, ermutigt und zugegeben – manchmal ist mir auch der Geduldsfaden gerissen – aber wir haben auch viel gelacht und auch richtig Freude am Lernen gehabt.  Wir haben die Hausaufgaben fast vollständig und in der vorgegebenen Zeit  geschafft, darauf hat B. großen Wert gelegt.  Eine ermunternde Rückmeldung des Lehrers hätte sie sicher gefreut. Manchmal hatte ich das Gefühl, eine richtig aufmerksame Schülerin zu haben die von sich selbst begeistert ist wenn sie etwas Neues richtig verstanden hat.  Aber für eine Klassenarbeit wird es nicht ausreichen. Denn verstehen ist eines – Widergeben wäre etwas ganz anderes. Da müsste man das Erarbeitete widerholen, neue Wörter lernen – und so eine Berufsausbildung erfordert das Lernen von unglaublich vielen Worten die mit den allgemeinen Sprachkursen für Flüchtlinge nicht das Geringste zu tun haben. Wie soll ich das Besondere einer Sinterprüfung erklären und fünf Minuten später die verschiedenen Stufen der Geschäftsfähigkeit.

Nicht alle Menschen können zu Hause mit ihren Büchern oder mit Hilfe von  Lernprogrammen alleine lernen. B. wollte die Pflicht erledigen –  war aber jedes mal auch froh, wenn die Hausaufgabe abgeschickt war. Für mehr  blieb ihr  keine Zeit. Denn zu Hause wartete auch noch der Haushalt mit den drei Kindern.

Wenn ich sehe, was von ihr verlangt wird, dann habe ich wirklich das Gefühl unglaublich viel Freiheit und Glück in meinem Leben zu haben – und das obwohl auch ich Vollzeit arbeiten muss.

Mir macht es immer noch Spaß, zu Unterstützen wo ich kann. Aber ich bin auch froh, dass die Schulen wieder langsam aufmachen!“

-Ehrenamtlich Engagierte beim Caritasverband Sigmaringen-

 

 

 

Ehrenamtliche Sprachpatenschaft in Zeiten von Corona- Ein Einblick

21. Mai 2020

„Ich betreue seit einigen Monaten einen liebenswerten Türken im Fürstenhof, der voll motiviert ist, möglichst schnell Deutsch zu lernen. Da er bisher leider noch keinen Deutschkurs besuchen konnte, bat Frau Grau mich, mit ihm Deutsch zu lernen. Ich besorgte mir Material aus der Bücherei, und wir lernten 2 – 3mal/Woche  für 1 Stunde zusammen im Fürstenhof. Durch Corona war dies im Fürstenhof (Besuchsverbot) dann leider nicht mehr möglich.

Notgedrungen mussten wir uns was einfallen lassen. Und so skypten wir täglich 1/2 Stunde mit dem Handy.

Sehr schön, dass wir uns dabei sehen konnten.

Da er mittlerweile täglich noch einen Online-Computerkurs belegt, haben wir das Skypen auf 2 x/Woche reduziert.

Er ist nach wie vor mit viel Freude dabei und immer wieder dankbar und hat mir auch per Video seine Familie in Istanbul vorgestellt.

Ich freue mich, helfen zu können und sehe diese Erfahrung  auch als eine persönliche Bereicherung an.“

-Ehrenamtlich Engagierte beim Caritasverband Sigmaringen-

Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe in Zeiten von Corona. Wie ist das möglich? Wie sieht das aus?- Ein Erfahrungsbericht

20. Mai 2020

Erfahrungen zur Sprachpatenschaft in Zeiten sozialer Distanz:

„Mit Beginn der weitreichenden Kontaktbeschränkungen Mitte März konnte ich meinen Sprachpaten aus einer Gemeinschaftsunterkunft nicht mehr treffen. Damit war erstmal Funkstille. Im Email-Kontakt nach ca. 2 Wochen merkte ich, wie ihm die gemeinsamen Treffen fehlen und dass er großen Bedarf für einen Austausch hat. Zumal wir immer zusammen für den Führerschein gelernt haben und das auf Deutsch für ihn schon extrem schwer ist, so dass er viele Fragen und Antworten nicht versteht und er viele Erklärungen braucht. Die gab ich ihm in den Treffen über Zeichnungen, über Pantomime oder den Online-Übersetzer. Jetzt mussten andere Ideen her. Er kam selbst auf die Idee, dass wir uns am Handy treffen könnten und er mir die Führerscheinfragen als Bildschirmfoto über einen Nachrichtendienst schickt. So machen wir dies nun schon seit Wochen. An einem Handy telefoniert er, auf dem anderen hat er die Fragen und schickt sie mir. Dabei sind wir dann natürlich auf ein gutes, stabiles Internet angewiesen, was dann die nächsten Schwierigkeiten sind. Aber dem allem zum Trotz klappt es ganz gut. Ich muss ihm dann halt alles ohne Zeichnungen erklären und selbst der Online-Übersetzer nützt nichts, denn ich kann das persische Wort ja nicht vorlesen. Im Notfall mache ich dann davon ein Bildschirmfoto und schicke es zurück. Die Erklärungen gehen oft über eine sehr vereinfachte, oft grammatikalisch nicht korrekte Sprache, aber anders sind die Spitzfindigkeiten in den Antworten der Führerscheinfragen nicht zu erklären. So sagt er z.B. wenn sein Auto auf der Vorfahrtsstraße ist: meine Straße. Wenn er nicht auf der Vorfahrtsstraße ist: nicht meine Straße. Damit ist klar ausgedrückt, was er meint.

Auch über diese praktische Lernhilfe hinaus, empfinde ich die Telefonate als sehr wichtig, denn es herrschen über die ganzen, sich ständig ändernden Corona-Vorschriften bei den Flüchtlingen doch große Unsicherheiten. So sprechen wir jede Woche über die Neuerungen und ich kann Missverständnisse ausräumen, so z.B. dass man nicht schon bei Verlassen des Hauses auf der Straße die Gesichtsmaske aufsetzen muss, sondern erst, wenn man einen Laden betritt.

Auch wenn unsere virtuellen Treffen, dank der Technik soweit ordentlich funktionieren, ersetzen sie meiner Meinung nach nicht persönliche, leibliche Treffen, in denen man doch noch ganz anders, auch nonverbal kommunizieren kann. So hoffen wir, dass wir uns bald wieder richtig treffen können.“

Mirjam Zeiher, ehrenamtlich Engagierte beim Caritasverband Sigmaringen